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Was macht ein sicheres Passwort aus?

etwa 11 MinutenAm Rechner oder HandyMitarbeitende, Studierende, IT-Mitarbeitendegeprüft 23. Oktober 2026

Ihr Passwort ist die erste Verteidigungslinie Ihres Campus Accounts. Diese Seite erklärt, was ein Passwort heute sicher macht und warum die Länge der mit Abstand wichtigste Faktor ist. Die Empfehlungen folgen dem aktuellen Stand der Technik und der Guidance des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST).

  • Länge vor Komplexität. Jedes zusätzliche Zeichen erhöht die Sicherheit weit stärker als ein weiteres Sonderzeichen. Die Universität Bern verlangt mindestens 12 Zeichen; empfohlen sind 15 Zeichen oder mehr.
  • Passphrasen statt kryptischer Zeichenfolgen. Mehrere zufällige Wörter ergeben ein langes und trotzdem merkbares Passwort.
  • Für jeden Dienst ein eigenes Passwort. So bleibt bei einem Datenleck nur ein einziges Konto betroffen.
  • Passwortmanager verwenden. Er erzeugt und speichert für jeden Dienst ein langes, zufälliges Passwort.
  • Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) aktivieren. Sie schützt Ihr Konto selbst dann, wenn Ihr Passwort einmal bekannt wird.
  • Keine erzwungenen regelmässigen Wechsel. Ein Wechsel ist nötig, wenn ein Passwort kompromittiert sein könnte, nicht nach starrem Zeitplan.

Warum die Länge entscheidet: der mathematische Hintergrund

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Ein Passwort kann nur so sicher sein, wie es schwer zu erraten ist. Bei der normalen Anmeldung sind die Versuche begrenzt, denn nach wenigen Fehlversuchen greift eine Sperre. Gefährlich wird es, wenn Angreifer eine Kopie der gespeicherten Passwort-Hashes erbeuten, etwa bei einem Datenleck oder einer kompromittierten Domäne. Dann probieren sie nicht von Hand, sondern lassen einen Computer offline und ohne Begrenzung alle möglichen Zeichenkombinationen durchrechnen und mit dem Hash vergleichen. Entscheidend ist deshalb, wie gross dieser Suchraum ist.

Die Anzahl möglicher Passwörter ist N = ZL, wobei Z der Umfang des verwendeten Zeichensatzes und L die Länge des Passworts ist. Da L im Exponenten steht, vervielfacht jedes zusätzliche Zeichen den Suchraum, während ein grösserer Zeichensatz ihn nur um einen festen Faktor vergrössert.

Wie schnell ein Angreifer diesen Suchraum durchläuft, hängt von der Hardware ab. Windows- und Active-Directory-Passwörter werden als NT-Hash gespeichert; dieses Verfahren ist ungesalzen und rechnerisch sehr günstig. Eine einzelne handelsübliche Grafikkarte (NVIDIA RTX 4090) schafft dabei rund 290 Milliarden Versuche pro Sekunde; ein frei beschaffbares System mit acht solchen Karten rund 2,3 Billionen pro Sekunde.

Die folgende Tabelle zeigt, wie lange ein solches System (8 × RTX 4090) braucht, um alle Kombinationen vollständig zu durchsuchen. Grundlage ist der volle Zeichensatz (Gross- und Kleinbuchstaben, Ziffern, Sonderzeichen) bei steigender Länge:

PasswortlängeMögliche KombinationenZeit zum vollständigen Durchsuchen
8 Zeichen6,6 × 1015rund 48 Minuten
10 Zeichen6,0 × 1019rund 300 Tage
12 Zeichen5,4 × 1023rund 7’400 Jahre
14 Zeichen4,9 × 1027rund 67 Millionen Jahre
16 Zeichen4,4 × 1031rund 600 Milliarden Jahre

Grundlage: rund 2,3 × 1012 NTLM-Versuche pro Sekunde, vollständiger Durchlauf des Suchraums. Im Mittel ist ein zufälliges Passwort bereits nach der Hälfte dieser Zeit gefunden.

Der Sprung ist dramatisch: Zwei zusätzliche Zeichen verwandeln eine knappe Stunde in knapp ein Jahr, vier zusätzliche in mehrere tausend Jahre. Genau darum lautet die wichtigste Regel: Länge zuerst.

Ein grösserer Zeichensatz hilft ebenfalls, aber deutlich weniger. Die folgende Tabelle zeigt ein 8 Zeichen langes Passwort auf derselben Hardware, je nach verwendetem Zeichensatz:

Zeichensatz (8 Zeichen)Mögliche KombinationenZeit zum vollständigen Durchsuchen
nur Kleinbuchstaben (26)2,1 × 1011unter 1 Sekunde
Buchstaben + Ziffern (62)2,2 × 1014rund 1,5 Minuten
voller Satz inkl. Sonderzeichen (95)6,6 × 1015rund 48 Minuten

Die Zeiten oben gelten für reines Durchprobieren aller Kombinationen und sind damit die obere Schranke. In der Praxis sind Angreifer schneller, denn menschlich gewählte Passwörter sind nicht zufällig im Suchraum verteilt: Sie folgen Mustern wie Wort + Zahl + Sonderzeichen, Namen, Tastaturreihen oder Jahreszahlen.

Angriffe mit Wörterlisten und Regeln prüfen genau diese wahrscheinlichen Kandidaten zuerst. Dadurch fallen typische 8-Zeichen-Passwörter oft in Sekunden, lange bevor der Suchraum ausgeschöpft ist. Die tatsächliche Sicherheit eines Passworts liegt also deutlich unter seiner rechnerischen Suchraumgrösse. Das ist ein weiterer Grund, auf Länge und Zufälligkeit statt auf ein kurzes, «kompliziertes» Passwort zu setzen.

Wie Betriebssysteme Passwörter speichern und warum das den Unterschied macht

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Die oben genannten Crackzeiten gelten für Windows und Active Directory. Dass ein 8-Zeichen-Passwort dort in Minuten fällt, liegt nicht nur an der Länge, sondern massgeblich daran, wie Windows Passwörter ablegt. Andere Betriebssysteme speichern dieselbe Information deutlich widerstandsfähiger. Drei typische Ansätze im Vergleich:

Windows speichert das Passwort als NT-Hash, den MD4-Hash des Passworts. Dieses Verfahren hat zwei Schwächen, die das Rückrechnen begünstigen. Es ist ungesalzen: Gleiche Passwörter ergeben immer denselben Hash, was Angriffe mit vorberechneten Tabellen und das gleichzeitige Angreifen vieler Konten erlaubt. Zudem arbeitet es ohne Key-Stretching, also mit einer einzigen, sehr schnellen Hash-Operation. Dadurch erreicht eine Grafikkarte die genannten rund 290 Milliarden Versuche pro Sekunde. Bei einem gestohlenen Hash trägt also allein die Länge und Zufälligkeit des Passworts zur Sicherheit bei.

macOS legt das Passwort lokaler Benutzerkonten in der ShadowHashData als SALTED-SHA512-PBKDF2 ab. Zwei Unterschiede zu Windows sind entscheidend: Jeder Eintrag hat einen eigenen Salt (vorberechnete Tabellen und Massenangriffe werden wirkungslos), und PBKDF2 wendet die Hash-Funktion vielfach hintereinander an. Auf aktuellen Macs sind es typischerweise über 100’000 Iterationen, wobei die Zahl gerätespezifisch festgelegt wird (Key-Stretching). Jeder einzelne Rateversuch erfordert damit über hunderttausend Hash-Berechnungen statt einer einzigen. Gegenüber dem NT-Hash sinkt die erreichbare Rate dadurch um mehrere Grössenordnungen: Grosse Wörterlisten werden unpraktikabel, und Brute-Force wird selbst für kurze Passwörter erheblich teurer.

Moderne Android-Geräte speichern den Entsperrcode gar nicht erst als rückrechenbaren Hash auf dem Datenträger. Die Prüfung erfolgt über Gatekeeper bzw. Weaver innerhalb einer sicheren Hardware-Umgebung (Trusted Execution Environment oder dediziertes Secure Element / StrongBox). Das Geheimnis, das zur Entschlüsselung nötig ist, gibt die Hardware erst nach korrekter Eingabe frei, und zwar mit hardwareseitiger Drosselung: Nach Fehlversuchen erzwingt sie zunehmend lange Wartezeiten. Ein Offline-Angriff mit einer GPU-Farm ist damit ausgeschlossen, weil sich kein Hash extrahieren lässt; jeder Versuch muss durch die gedrosselte Hardware. Das Schlüsselmaterial ist nicht exportierbar. Apple-Geräte mit Secure Enclave (iOS, moderne Macs mit Apple Silicon) nutzen ein vergleichbares Prinzip.

SystemSpeicherverfahrenSaltKey-StretchingOffline-Rückrechnung
Windows / ADNT-Hash (MD4)neinneinsehr schnell (Milliarden/s)
macOSSALTED-SHA512-PBKDF2 (> 100’000 Iterationen)jajaum Grössenordnungen langsamer
AndroidGatekeeper / Weaver in sicherer Hardware (TEE / Secure Element)entfälltentfälltpraktisch ausgeschlossen (Hardware-Drosselung)

Eine Passphrase aus mehreren zufälligen, nicht zusammenhängenden Wörtern wird mühelos lang und lässt sich trotzdem gut merken. Beispiel für das Prinzip (bitte nicht genau so verwenden): Velo-Kaktus-Regen-Turm-Linse-Fagott. Das sind sechs Wörter und 35 Zeichen, die sich als kleine Geschichte gut einprägen lassen.

Wichtig: Bei Passphrasen zählt nicht die Zeichenzahl, sondern die Anzahl zufällig gewählter Wörter. Wer Passphrasen vermutet, kombiniert ganze Wörter aus einer Wortliste statt einzelner Zeichen. Die folgende Tabelle zeigt das für eine Liste mit 7’776 Wörtern (Diceware-Standard) auf derselben Hardware wie oben (8 × RTX 4090, NT-Hash):

Anzahl zufälliger WörterMögliche KombinationenZeit zum vollständigen Durchsuchen
4 Wörter3,7 × 1015rund 27 Minuten
5 Wörter2,8 × 1019rund 140 Tage
6 Wörter2,2 × 1023rund 3’000 Jahre

Vier Wörter sind gegen einen gestohlenen NT-Hash also kaum besser als ein 8-Zeichen-Passwort. Verwenden Sie mindestens fünf, besser sechs zufällige Wörter. Am einfachsten lassen Sie die Passphrase von einem Passwortmanager erzeugen, denn selbst «zufällig» gewählte Wörter sind oft vorhersehbar.

In der Praxis geben die meisten ihr Campus-Account-Passwort nicht jedes Mal neu ein, sondern lassen es vom Browser oder vom Betriebssystem speichern. Damit verschiebt sich der Schutz: Entscheidend ist dann nicht mehr nur, wie schwer sich das Passwort zurückrechnen lässt, sondern wie gut der gespeicherte Wert gegen Auslesen geschützt ist.

Anders als ein Hash wird ein gespeichertes Passwort als wiederherstellbares Geheimnis abgelegt. Es ist verschlüsselt, aber so, dass das System es für die automatische Anmeldung wieder im Klartext erzeugen kann. Wie gut dieser Tresor ist, hängt von der Plattform ab:

  • macOS: Safari und das System legen Zugangsdaten im Schlüsselbund (Keychain) ab; andere Browser wie Chrome hinterlegen dort zumindest den Schlüssel ihres eigenen Passwortspeichers. Der Schlüsselbund ist an das Anmeldepasswort gebunden und auf Geräten mit Secure Enclave zusätzlich hardwaregestützt geschützt.
  • Android: Gespeicherte Passwörter liegen in der Credential-Encrypted-Storage und sind über den Android Keystore an hardwaregeschützte Schlüssel gebunden, die erst nach dem Entsperren des Geräts verfügbar werden.
  • Windows: Browser wie Chrome und Edge verschlüsseln gespeicherte Passwörter mit der DPAPI, gebunden an die Windows-Anmeldung. DPAPI schützt vor allem gegen Zugriff durch andere Benutzer oder bei ausgeschaltetem Gerät. Chrome ergänzt dies seit 2024 um App-Bound Encryption, die gezielt Infostealer abwehren soll. Schadsoftware-Entwickler haben sie allerdings innert Wochen umgangen.

Daraus ergeben sich einige praktische Empfehlungen:

  • Nutzen Sie für wichtige Zugänge wie den Campus Account bevorzugt einen eigenständigen Passwortmanager mit eigenem starkem Master-Passwort und MFA statt des eingebauten Browser-Speichers.
  • Speichern Sie das Passwort nie auf fremden, gemeinsam genutzten oder unverwalteten Geräten.
  • Halten Sie Ihr Gerät gesperrt, aktuell und frei von Schadsoftware. Der gespeicherte Tresor ist nur so sicher wie das Benutzerkonto, unter dem er entsperrt wird.
  • Aktivieren Sie MFA: Selbst ein ausgelesenes Passwort reicht dann für eine Anmeldung nicht aus. Das ist der wichtigste Schutz, wenn ein gespeichertes Passwort doch einmal abfliesst.

Das unterstreicht die Grundregeln dieser Seite: Ein langes, einmaliges Passwort und MFA schützen nicht nur gegen das Rückrechnen, sondern begrenzen auch den Schaden, falls ein gespeicherter Wert einmal in falsche Hände gerät.

Passwortmanager und Multi-Faktor-Authentifizierung

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Niemand kann sich für jeden Dienst ein eigenes, langes Zufallspasswort merken, und das sollten Sie auch nicht versuchen. Ein Passwortmanager erzeugt und speichert diese Passwörter für Sie; Sie merken sich nur noch ein einziges, starkes Master-Passwort. NIST empfiehlt Passwortmanager ausdrücklich. Wählen Sie einen, der sich seinerseits mit MFA absichern lässt.

Das Passwort ist nur eine Schicht. MFA fügt eine zweite hinzu: Selbst wenn Ihr Passwort bekannt wird, bleibt Ihr Konto geschützt. Authenticator-Apps oder Passkeys sind dabei sicherer als Codes per SMS. Passkeys können das Passwort bei der Anmeldung ganz ersetzen, sind gegen Phishing resistent und für jeden Dienst eindeutig. An der Universität Bern sind dafür gerätegebundene Passkeys zugelassen.

Zwei weitere Punkte aus der NIST-Guidance: Verwenden Sie dasselbe Passwort nie für mehrere Dienste, und bleiben Sie wachsam gegenüber Phishing, also gefälschten Seiten, die Sie zur Eingabe Ihres Passworts verleiten. Ob Ihre E-Mail-Adresse bereits in einem Datenleck aufgetaucht ist, können Sie bei Diensten wie https://haveibeenpwned.com/ prüfen. Geben Sie Ihr Passwort dafür nie auf fremden Websites ein.

  • Verwenden Sie ein möglichst langes Passwort. Die Universität Bern verlangt für den Campus Account mindestens 12 Zeichen, unabhängig davon, ob MFA aktiviert ist. Empfohlen sind 15 Zeichen oder mehr, idealerweise eine Passphrase aus fünf bis sechs zufälligen Wörtern.
  • Nutzen Sie es ausschliesslich für den Campus Account, nicht für andere Dienste.
  • Aktivieren und pflegen Sie MFA.
  • Ändern Sie Ihr Passwort umgehend, wenn der Verdacht besteht, dass es bekannt geworden ist.

Verbindlich sind die Weisungen der Universität, insbesondere die Weisungen über die Benutzung der IT-Ressourcen. Wer ICT-Systeme betreibt, hat zudem die Weisungen ICT-Grundschutz einzuhalten. Diese Seite beschreibt den Stand der Technik und das empfohlene Vorgehen, nicht die rechtlichen Grundlagen.